07 · Der Betrieb
Rebalancing — warum Band und nicht Kalender
Die Evidenz ist eindeutig: Abweichungsschwellen schlagen Kalendertermine. Ein starrer Jahrestermin
handelt, wenn nichts zu tun ist, und hält still, wenn viel zu tun wäre. Daryanani (2007) findet
rund 20 % relative Bandbreite als Optimum — engere Bänder lösen zu viele Trades aus, weitere lassen
Gelegenheiten liegen.
Warum relativ und nicht absolut
Ein absolutes Band von 5 Prozentpunkten behandelt einen 8-%-Baustein völlig
anders als einen 30-%-Baustein: Der eine dürfte um 60 % seines Gewichts driften, der andere nur um 17 %.
Ein relatives Band skaliert korrekt — 20 % von 8 % sind 6,4 bis 9,6 %, 20 % von 30 % sind
24 bis 36 %.
1Prüfung vierteljährlich, mechanisch, nach festem
Termin. Hinschauen kostet nichts.
2Gehandelt wird nur bei ±20 % relativer Drift vom
Zielgewicht.
3Ein Auslöser, ein Antrag — bricht ein Baustein aus,
wird das gesamte Portfolio in einem Zug zurückgesetzt. Nicht fünf Einzelaktionen.
4Neue Prämien zuerst in den Nachzügler — rebalanciert
ohne jeden Verkauf.
5Jede Entscheidung protokollieren, auch das „heute
nichts tun". Sonst wird aus einer Regel unbemerkt ein Bauchgefühl.
Die seltene Lage, in der du bist
Das Standardargument gegen Schwellen-Rebalancing sind die Handelskosten.
In der Polizze gibt es keine — der Switch ist gratis und KESt-frei. Der theoretisch beste Weg ist hier
gleichzeitig der billigste. Das ist ein Satz für den Steuerberater.
Wenn der Kunde fragt: „Warum jetzt strenger als sonst?"
Zuerst die Falle: es gibt zwei verschiedene Abweichungen
Wer nur sagt „bei Dimensional dreht sich alles um Abweichungen", wird von einem wachen Kunden als
Markttimer gehört. Trenne die beiden sauber:
- Die gewollte Abweichung — die Neigung gegenüber dem Markt. Das ist die Strategie.
Sie soll bleiben.
- Die ungewollte Abweichung — die Drift von den Zielgewichten. Das ist der Verschleiß.
Sie wird eingefangen.
Der Satz, der beide zusammenbringt
„Die Strategie besteht aus einer bewussten Abweichung vom Markt.
Genau deshalb muss ich eine unbewusste Abweichung von dieser Abweichung verhindern."
Warum ein Weltindex das nicht braucht — und deine alte Empfehlung trotzdem gut war
„Ein reiner Weltindex braucht überhaupt kein Rebalancing. Er erledigt
es selbst: Steigt eine Firma, steigt ihr Gewicht mit — und das Portfolio ist immer noch exakt der Markt.
Das ist einer seiner größten Vorzüge, und ich habe ihn Ihnen deshalb empfohlen.
Sobald wir bewusst davon abweichen, ist dieser Automatismus weg. Den Index
pflegt der Markt für Sie. Ihre Neigung pflegt niemand außer mir."
Die Korrektur, die das Argument dreht: wir schichten seltener um
Die naheliegende Annahme lautet, „disziplinierter" heiße „häufiger". Das Gegenteil stimmt — und das ist
der überraschendste Satz, den du im Termin sagen kannst:
| Vorgehen | Eingriffe / 10 J. |
Prüfungen / 10 J. |
| Klassisch, einmal jährlich |
10 |
10 |
| Unsere Regel (Faktor 100) |
1,8 |
40 |
Seltener umschichten, öfter
hinschauen. Hinschauen kostet nichts, Umschichten kostet Aufmerksamkeit und Papier.
So formulieren
„Diszipliniert heißt hier nicht häufiger, sondern
zum richtigen Zeitpunkt. Ein starrer Jahrestermin schichtet um, weil der
Kalender es sagt — auch wenn nichts passiert ist. Und er hält still, wenn viel passiert ist, nur weil der
Termin noch nicht da ist. Ich schaue vierteljährlich nach, das kostet nichts. Angefasst wird nur, wenn ein
Baustein wirklich aus seinem Band gelaufen ist. Im Schnitt alle vier bis fünf Jahre — also
seltener als der klassische Jahresrhythmus."
Die Abweichung ist nicht nur der Schaden — sie ist das Signal
Der stärkste Gedanke zum Schluss, und er ist mathematisch exakt: Einfangen und Einsammeln sind
dieselbe Bewegung.
Die Drift entsteht nicht zufällig. Sie entsteht genau dann, wenn ein Baustein schlecht gelaufen ist —
deshalb ist er geschrumpft. Wer ihn zurück auf sein Zielgewicht kauft, kauft zwangsläufig den Nachzügler.
Also billig. Der Handgriff, der die Strategie repariert, ist derselbe, der die Prämie einsammelt.
Der Kern in vier Sätzen
„Wenn ein Baustein aus seinem Band läuft, sagt er mir zwei Dinge gleichzeitig: dass Ihre Strategie zu
verrutschen droht — und wo es gerade billig geworden ist.
Ich fange die Abweichung ein, und im selben Handgriff sammle ich die Prämie ein. Das ist nicht zweimal
etwas tun. Das ist eine einzige Bewegung.
Die Abweichung ist kein Zufallsrauschen. Sie läuft systematisch in die falsche Richtung: Was zuletzt
gut lief, wird von selbst größer. Nach einem schlechten Value-Jahrzehnt ist Ihr Value-Anteil also von
allein geschrumpft — genau bevor er sich erholt. Ohne Eingriff hätten Sie
die Dürre voll mitgenommen und wären bei der Ernte nicht mehr dabei.
Deshalb kaufe ich dort nach, wo es gerade wehtut."
Und der Abschluss, der es an dein Angebot bindet: „Das ist übrigens der Grund,
warum Dimensional jahrzehntelang fast nur über geprüfte Berater vergeben hat. Die Fonds kann man kaufen.
Das Durchhalten nicht."
Die ehrliche Grenze — ein wacher Kunde findet sie
Das funktioniert nur, wenn der Nachzügler irgendwann zurückkommt. Bleibt Value
dreißig Jahre lang schlechter, ist Nachkaufen kein antizyklischer Gewinn, sondern gutes Geld, das
schlechtem hinterhergeworfen wird. Genau darauf wird gewettet — und genau dafür wird die Prämie
bezahlt. Sag es so, wenn jemand fragt. Wegdiskutieren macht es schlechter, und es kostet dich die
Glaubwürdigkeit, die du für die Dürre brauchst.